{"id":11480,"date":"2017-04-03T12:25:18","date_gmt":"2017-04-03T11:25:18","guid":{"rendered":"http:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/?p=11480"},"modified":"2017-04-03T12:25:18","modified_gmt":"2017-04-03T11:25:18","slug":"pflichtlektuere-fuer-jeden-strengglaeubigen-moslem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/2017\/04\/03\/pflichtlektuere-fuer-jeden-strengglaeubigen-moslem\/","title":{"rendered":"Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr jeden strenggl\u00e4ubigen Moslem"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p>Matriarchat<\/p>\n<p>Matriarchate sind nicht die spiegelbildliche Umkehrung von Patriarchaten, indem dort Frauen \u00fcber M\u00e4nner herrschen \u2013 wie es das g\u00e4ngige Vorurteil will. Matriarchate sind stattdessen mutter-zentrierte Gesellschaften, und sie bauen auf m\u00fctterlichen Werten auf: Pflegen, N\u00e4hren, F\u00fcrsorge, Friedenssicherung, d. h. M\u00fctterlichkeit im weitesten Sinne. Diese Werte gelten f\u00fcr alle, f\u00fcr M\u00fctter und Nicht-M\u00fctter, f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Matriarchate sind bewusst auf diesen m\u00fctterlichen Werten und m\u00fctterlicher Arbeit aufgebaut. Sie sind grunds\u00e4tzlich bed\u00fcrfnis-orientiert. Ihre Regeln zielen daraufhin, die Bed\u00fcrfnisse aller Menschen am besten zu erf\u00fcllen. Auf diese Weise wird \u201emothering\u201c (Muttersein und m\u00fctterliche Haltung) von einer biologischen Tatsache in ein kulturelles Modell umgewandelt. Dieses Modell entspricht dem menschlichen Zusammenleben weitaus besser als die Art, wie Patriarchate Mutterschaft behandeln und missbrauchen.<\/p>\n<p>Was ist eine matriarchale Gesellschaft?<br \/>\n(Definiton &#8222;Matriarchat&#8220; von Heide G\u00f6ttner-Abendroth)<\/p>\n<p>In matriarchalen Gesellschaften meint \u201eGleichheit\u201c nicht das Gleichmachen von Unterschieden. Nat\u00fcrliche Unterschiede, die zwischen den Geschlechtern und Generationen bestehen, werden respektiert und geehrt, aber sie werden nicht benutzt, um Hierarchien zu schaffen (egalit\u00e4re Gesellschaft). Die verschiedenen Geschlechter und Generationen haben ihre je eigene W\u00fcrde und ihre je eigenen Aktionsbereiche, die komplement\u00e4r aufeinander bezogen werden. Balance zwischen den Menschen und allen Bereichen ist ein Grundprinzip.<\/p>\n<p>Das kann auf allen Ebenen der Gesellschaft beobachtet werden:<\/p>\n<p>    der \u00f6konomischen Ebene,<br \/>\n    der sozialen Ebene,<br \/>\n    der politischen Ebene,<br \/>\n    der kulturellen Ebene.<\/p>\n<p>Auf der \u00f6konomischen Ebene haben Matriarchate Subsistenzwirtschaft mit lokaler oder regionaler Unabh\u00e4ngigkeit. Land und H\u00e4user sind Eigentum des Clans im Sinne von Nutzungsrecht; Privatbesitz und territoriale Anspr\u00fcche sind unbekannt. Die Frauen haben die wesentlichen Lebensg\u00fcter in den H\u00e4nden: Felder, H\u00e4user, Nahrungsmittel. Die Sippenmutter verwaltet die G\u00fcter und verteilt sie gleichm\u00e4\u00dfig an die Clanmitglieder.<\/p>\n<p>Die G\u00fcter sind in einem lebhaften Kreislauf, der verhindert, dass Besitz bei einem Clan oder bei einer Person angeh\u00e4uft werden k\u00f6nnen. Das Ideal ist Verteilung und nicht Akkumulation.  Vorteile und Nachteile beim Erwerb von G\u00fctern werden durch soziale Regeln ausgeglichen, z. B. laden wohlhabende Clans bei den zahlreichen Festen das ganze Dorf\/Stadtviertel ein, und beim n\u00e4chsten Fest ist ein anderer wohlhabender Clan an der Reihe. In diesem Sinne beruht die \u00d6konomie auf einem Kreislauf des Schenkens.<\/p>\n<p>Auf der \u00f6konomischen Ebene sind Matriarchate  getragen von perfekter Gegenseitigkeit. Sie werden deshalb definiert als Ausgleichsgesellschaften auf der Basis einer \u00d6konomie des Schenkens.<\/p>\n<p>Auf der sozialen Ebene beruhen matriarchale Gesellschaften auf dem Clan. Die Menschen leben in Sippen zusammen, die nach dem Prinzip der Matrilinearit\u00e4t, der Verwandtschaft in der Mutterlinie, aufgebaut sind. Der Clanname und alle sozialen W\u00fcrden und politischen Titel werden in der m\u00fctterlichen Linie vererbt. Ein Matri-Clan besteht aus 3 &#8211; 4 Generationen: die Clanmutter und ihre Schwestern, deren T\u00f6chter und Enkelinnen; hinzu kommen die direkt verwandten M\u00e4nner: die Br\u00fcder der Clanmutter, die S\u00f6hne und Enkel der Clanmutter und ihrer Schwestern.<\/p>\n<p>Ein Matri-Clan lebt im gro\u00dfen Clanhaus oder in einer Gruppe von Nachbarh\u00e4usern zusammen. Die Frauen leben permanent hier, denn T\u00f6chter verlassen das m\u00fctterliche Clanhaus nicht. Man nennt dies Matrilokalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch die jungen M\u00e4nner des Clans verlassen das Mutterhaus nicht. Bei Liebesbeziehungen oder Heiraten gehen sie \u00fcber Nacht zu den Clanh\u00e4usern im Ort, wo ihre Gattinnen oder Liebsten wohnen und kehren am Morgen wieder zur\u00fcck ins Mutterhaus. Diese Form wird Besuchsehe genannt, sie ist eine sehr offene Form.<\/p>\n<p>Die Kinder geh\u00f6ren zu den M\u00fcttern und deren Clan, sie tragen den Clannamen der Mutter. Die Mutterbr\u00fcder betrachten die Kinder der Schwestern auch als &#8222;ihre Kinder&#8220;, da sie denselben Clannamen tragen. Die biologische Vaterschaft in unserem Sinne ist unbekannt oder spielt als sozialer Faktor keine Rolle. M\u00e4nner sind  bei den Schwesterkindern die &#8222;sozialen V\u00e4ter&#8220; und wenden ihnen F\u00fcrsorglichkeit und Mitverantwortung zu.<\/p>\n<p>Die matriarchalen Clans bilden untereinander ein Netz von Verwandtschaftslinien. Auf diese Weise entsteht eine egalit\u00e4re Gesellschaft, die sich als gro\u00dfer Clan mit allen wechselseitigen Hilfsverpflichtungen versteht. Matriarchate werden deshalb auf der sozialen Ebene als matrilineare  Verwandtschaftsgesellschaften definiert.<\/p>\n<p>Auf der politischen Ebene sind die Prozesse der Entscheidungsfindung ebenfalls entlang den Verwandtschaftslinien organisiert. Entscheidungen fallen nur durch Konsens, d. h. durch Einstimmigkeit.<\/p>\n<p>Basis jeder Entscheidungsfindung sind die einzelnen Clanh\u00e4user mit allen, die darin leben. Angelegenheiten, die das Clanhaus betreffen, werden von den Frauen und M\u00e4nnern im h\u00e4uslichen Rat entschieden. Kein Haushaltsmitglied darf mit seiner Stimme ausgeschlossen werden, Kinder sind ab ca. 13 Jahren Clanmitglieder mit vollem Stimmrecht. Dasselbe gilt f\u00fcr Entscheidungen, die das ganze Dorf betreffen: Nach dem Rat im Clanhaus  treffen sich gew\u00e4hlte Delegierte der einzelnen Clanh\u00e4user, die ihren Clan nach au\u00dfen vertreten, im Dorfrat. Diese Delegierten sind keine Entscheidungstr\u00e4ger, sondern nur Informationstr\u00e4ger; sie tauschen  miteinander aus, was in den einzelnen Clanh\u00e4usern beschlossen wurde. Sie halten das Kommunikationssystem im Dorf aufrecht und gehen so lange zwischen Clanrat und Dorfrat hin und her, bis alle Clanh\u00e4user auf Dorfebene den Konsens gefunden haben.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt auch auf regionaler Ebene: Hier werden die Entscheidungen der D\u00f6rfer und St\u00e4dte von gew\u00e4hlten Delegierten, welche die Informationen austauschen, im regionalen Rat koordiniert. Auch hier gehen die Delegierten zwischen Dorfrat und regionalem Rat solange hin und her, bis die Region durch alle Clanh\u00e4user aller Siedlungen ihre Entscheidung im Konsens gefunden hat.<\/p>\n<p>In einer solchen Gesellschaft k\u00f6nnen sich Hierarchien und Klassen nicht bilden, auch kein Machtgef\u00e4lle zwischen den Geschlechtern und den Generationen. Minderheiten werden nicht durch Mehrheitsentscheidungen ausgegrenzt, denn politische Entscheidungen fallen sozusagen \u201ebasisdemokratisch\u201c.<\/p>\n<p>Auf der politischen Ebene definiere ich Matriarchate daher als egalit\u00e4re Konsensgesellschaften.<\/p>\n<p>Auf der kulturellen Ebene haben matriarchale Gesellschaften reiche religi\u00f6se und weltanschauliche Systeme. <\/p>\n<p>Eine grundlegende Vorstellung vom Leben und vom Kosmos ist der Wiedergeburtsglaube. So wie sie im Kosmos und auf der Erde alles wiederkehren sehen, verstehen sie auch das menschliche Dasein im Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt. Dabei wird Wiedergeburt sehr konkret verstanden: Jedes Clanmitglied wird nach ihrer Auffassung im selben Clanhaus durch die jungen Frauen des Clans wiedergeboren. In diesem Sinne gelten die Kinder als die wiedergeborenen Ahnen und Ahninnen der Sippe und sind heilig. Frauen werden nicht nur daf\u00fcr geehrt, dass sie die Lebenssch\u00f6pferinnen und Ern\u00e4hrerinnen sind, sondern besonders daf\u00fcr, dass sie die Wiedergeb\u00e4rerinnen sind, Tod also in Leben umwandeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das haben sie von der Erde abgeschaut, denn die Erde als die Gro\u00dfe Mutter bewirkt st\u00e4ndig die Wiedergeburt aller Wesen und die Ern\u00e4hrung allen Lebens. Sie ist die eine Urg\u00f6ttin, die andere Urg\u00f6ttin ist die kosmische G\u00f6ttin als Sch\u00f6pferin des Universums.Denn auch am Himmel bewegen sich die Gestirne zyklisch in Aufgang und Untergang, wobei auf jeden Untergang ein neuer Aufgang folgt. Himmel und Erde sind zusammen die \u201eWelt\u201c, in welche die Menschen immer eingebettet sind. Als \u201eFrau Welt\u201c ist sie weiblich-g\u00f6ttlich.Der matriarchale Begriff von G\u00f6ttlichkeit ist daher immanent, nicht transzendent. Alles besitzt G\u00f6ttlichkeit, das kleinste Wesen und der gr\u00f6\u00dfte Stern, jede Frau und jeder Mann.  <\/p>\n<p>In ihren Festen, die dem Jahreszeitenzyklus und anderen nat\u00fcrlichen Rhythmen folgen, wird die g\u00f6ttliche Welt in allen ihren Erscheinungen vom Gr\u00f6\u00dften bis zum Kleinsten gefeiert. Doch auch im Alltag ist jede praktische Handlung, wie z. B. S\u00e4en, Ernten, Kochen, Weben, zugleich ein bedeutungsvolles Ritual. Da alles in der Welt g\u00f6ttlich ist, kennen matriarchale Kulturen keine Trennung zwischen dem Profanen und dem Sakralen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-11480","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11480"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11483,"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11480\/revisions\/11483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/apo-troisdorf.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}